NEXT/7: Wie gesund ist dein Job?

Shownotes

Seit mehr als zehn Jahren verantwortet Susanne bei AFRY Deutschland das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Doch was verbirgt sich hinter dem Schlagwort? Wenn es nach Susanne geht, dann ist das weit mehr als der Obstkorb auf dem Tisch. Es geht um die feste Verankerung von Gesundheit in den Unternehmensstrukturen und die Förderung von seelischem und körperlichem Wohlbefinden – im Büro und darüber hinaus. In einer krisengeplagten Zeit steht das BGM vor neuen Herausforderungen: Psychische Gesundheit und Resilienz spielen eine immer größere Rolle. Mehr dazu und zum Arbeitsfeld der BGM-Managerin erfahrt ihr in Folge 7 von NEXT.

Gesprächspartnerin für diese Folge: Susanne Kölb-Adam V.i.S.d.P.: Maria Holschuh Moderation und Produktion: Stephan Paetrow Musik: spacewalk by Tea K Pea, CC-BY (freemusicarchive.org)

Wir freuen uns über Anregungen und Kritik unter next@afry.com. © AFRY Deutschland GmbH 2025

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00:00:11: Stephan Hi, herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von NEXT. Mein Name ist Stephan Paetrow, und ich gebe es zu: In meiner Schulzeit und später dann im Studium habe ich mich nie sehr für gesunde Lebensführung interessiert. Sport ist Mord, das war mein Mantra, und ich war absolut zufrieden, meine Tage im Sitzen zu verbringen. Doch auch ich wurde älter und irgendwann musste ich feststellen, dass es so nicht mehr weiterging. Seitdem gehören ein Berufsleben, das sich primär am Computer abspielt, und die alltägliche Bewegung für mich zusammen. Und bis jetzt fahre ich ganz gut damit. Doch warum erzähle ich das eigentlich? Meine heutige Interviewpartnerin Susanne Kölb-Adam verantwortet bei AFRY Deutschland das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement. Sie beschäftigt sich also damit, wie wir unsere Arbeitskraft, unsere Motivation und Energie langfristig erhalten können – im Sinne der Firma, aber auch im eigenen Interesse. Und dass dazu viel mehr gehört als der obligatorische Obstkorb oder einmal im Jahr ein Firmenlauf, das habe ich in unserem Gespräch schnell gelernt. Aber hört selbst, hier kommt sie: unsere Folge 7 von NEXT.

00:01:24: Stephan Wer bist du und was machst du?

00:01:27: Susanne Ja, also ich bin Susanne, bin jetzt seit 20 Jahren schon bei AFRY. Ich bin eigentlich Diplomgeografin. Über die Personalabteilung bin ich dann irgendwann zum Gesundheitsmanagement gekommen. Und ja, als zum ersten Mal 2013 dann diese Idee von Gesundheitsmanagement aufkam, war ich sofort begeistert, weil ich auch privat das einfach n cooles Thema find und mich dafür schon immer interessiert hab. Und dazu gehörte halt einmal eine Ausbildung als Gesundheitsmanagerin, aber auch n Aufbau von nem Steuerkreis und von den ganzen Strukturen, die zum BGM gehören. Unter anderem auch das deutschlandweite Multiplikatorennetzwerk, auf das wir eben sehr stolz sind und was eigentlich so das Herz unseres BMM ist.

00:02:09: Stephan Was macht eine Gesundheitsmanagerin? Wie muss man sich das vorstellen? Was lernt man da in der Ausbildung?

00:02:16: Susanne Die Ausbildung hat eigentlich vier Teile. Es gibt einmal die Fachkraft für Gesundheit, und da geht es erstmal um die Basics, und dann gibt es einen weiteren Teil, der beschäftigt sich mit Ergonomie am Arbeitsplatz und ein Teil mit psychischer Gesundheit. Ist n ganz eigener Block und dann zum Schluss macht man halt so das Managementmodul, also wo es dann wirklich so um Budgets, um Planungen, Strukturen und um so das größere Ganze geht.

00:02:44: Stephan Hast du was an deinem Leben geändert in dem Moment, wo du Gesundheitsmanagerin geworden bist oder warst du vorher schon so gesund in deinem Lebenswandel, dass das nicht nötig war?

00:02:58: Susanne Also tatsächlich war ich sportlich schon sehr, sehr gut unterwegs und tatsächlich, die anderen Faktoren sind so n bisschen dazu gekommen. Ernährung sowieso n ganz weites Feld, wo man glaub ich jeden Tag noch was dazulernen kann, aber auch so Dinge natürlich wie Entspannung und diese anderen Sachen hab ich selber für meine für meine eigene Gesundheit natürlich gelernt, freue mich auch jeden Tag immer noch was dazu zu lernen. Das ist was, was nicht aufhört.

00:03:23: Stephan Was heißt gesund im Sinne von einer Firma? Ich meine, worum geht es dir da? Geht es dem betrieblichen Gesundheitsmanagement?

00:03:34: Susanne Gesundheitsmanagement bedeutet ja vom Grunde her, dass man das Thema Gesundheit ganz fest in Unternehmensstrukturen verankert. Also das durchdringt alle Bereiche in einem Unternehmen im besten Falle und ist eben ein fester Bestandteil. BGM bedeutet halt dann Strukturen aufzubauen, die gesundheitsförderliches Verhalten immer besser machen und wo man eben die Leistungsfähigkeit, aber eben auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter steigern kann und gesund in diesem Sinne bedeutet ja eigentlich seelische und körperliche Gesundheit, und die wird aber ja wiederum von ganz vielen Faktoren mit der Gesundheit beeinflusst. Ist n sehr komplexes Thema, da geht es ja um soziale Herkunft, oft um eigene Eigenschaften, um Gewohnheiten. Wie lebe ich, wie ernähre ich mich? Natürlich auch um genetische Faktoren, die schon von vornherein festgelegt sind.

00:04:30: Stephan Hat sich in diesen rund zehn Jahren, fast zehn Jahren, gab es da neue Akzentsetzungen, Dinge, die vielleicht am Anfang noch nicht so ne große Rolle gespielt haben und jetzt viel präsenter sind?

00:04:43: Susanne Na ja, grundsätzlich folgt BGM verschiedenen Präventionsfeldern, also es gibt Themen, die sind eigentlich festgesetzt, sag ich mal. Wie zum Beispiel Bewegung, Ernährung, Ergonomie. Aber natürlich immer, je nachdem, was sich gesellschaftlich entwickelt oder was sich natürlich auch im Unternehmen entwickelt, verschieben sich da die Schwerpunkte auch im Unternehmen. Und zum Beispiel das Thema Psychische Gesundheit wird immer wichtiger, ist immer wichtiger geworden in den letzten Jahren. Man sollte auch immer so quasi n bisschen das Ohr bei den Mitarbeitenden haben und auch immer wieder abfragen, welche Themen sind denn für euch wichtig? Weil das ist uns immer ganz, ganz wichtig gewesen. Halt nah an den Mitarbeitenden zu bleiben.

00:05:27: Stephan Und hast du da also etwas bemerkt, das einfach neue Dinge an dich herangetragen wurden, dass heute vielleicht Leute mit anderen Dingen beschäftigt sind als vor zehn Jahren? Gibt es neue Trends?

00:05:42: Susanne Also psychische Gesundheit ist wirklich das Thema, was ganz präsent ist, aber tatsächlich auch im Moment in ja dieser sehr digitalen Welt, aber auch in dieser Welt, so in so einem Krisenmodus, wirtschaftlich wie politisch, merkt man, dass auch immer mehr die Ängste zunehmen, also dass Mitarbeitende wirklich Ängste haben vor der Zukunft, vor ihrem Leben. Und dass es da wieder ganz, ganz wichtig ist, so was wieso n Vertrauen, also woher kriegt man wieder Vertrauen, kann man wieder Vertrauen aufbauen? Und natürlich auch so das Generationenthema. Wir haben vier Generationen manchmal, die eben im Unternehmen unter einem Dach zusammenarbeiten oder in einem Team und da geht es halt darum, wie kann man sich verständigen, wie kann man zusammenarbeiten, was können die Älteren von den Jüngeren lernen oder wo wird das Fachwissen vielleicht von am besten an die Jüngeren weitergegeben? Und so ein kleiner weiterer Trend ist inzwischen auch dieses: Kann man sehr fit bis ins hohe Alter. Da geht es eben so da drum, auch n bisschen abzugucken. Es gibt so Blue Zones, zum Beispiel auf der Erde, wo es darum geht, warum leben da die Menschen am längsten? Da gibt es halt so verschiedene Faktoren, die da mithelfen können, dass man halt sehr fit bleibt.

00:06:56: Stephan Tee trinken, Olivenöl oder was für Faktoren sind das?

00:07:01: Susanne Einmal gehört natürlich dazu, also ständige moderate Bewegung, also körperliche Anstrengung in einem sehr moderaten, aber sehr konstanten Maß. Dann eine pflanzlich basierte Ernährung tatsächlich. Nicht rauchen. Aber die Faktoren, die den meisten Effekt haben, ist sowas wie Sinnhaftigkeit, aber auch Engagement in der Familie. Also n festen sozialen Bezug zu haben und eben eine Sinnhaftigkeit im Leben zu haben, eine Aufgabe zu haben und da sind die anderen Faktoren fast nachrangig, ja.

00:07:34: Stephan Interessant eigentlich für‘s Arbeitsleben, also ne sinnvolle Tätigkeit zu haben, etwas wo man nicht nur hingeht, weil man Geld verdient dabei, sondern weil es einem auch Spaß macht und weil man das Gefühl hat, dass ist wichtig, was ich tue, das macht auch gesünder, würdest du so sagen oder findest du es zu weitgehend meine These?

00:07:53: Susanne Nee, auf gar keinen Fall, weil das ist ja das genau, was oft beim BGM falsch verstanden wird. Man denkt immer so. Ach ja, ich weiß noch am Anfang, das ist der Rückenkurs und das ist der Apfel auf dem Tisch und das ist halt bei Weitem gefehlt. BGM hat nen viel größeren Umfang. Da geht es um Sinnhaftigkeit, um auch Handlungsspielraum. Welchen Sinn hab ich im Leben? Und das ist natürlich in einem Arbeitsumfeld auch ganz, ganz wichtig, dass man seine Arbeit sinnhaft findet.

00:08:19: Stephan Hast du das Gefühl, dass es manchmal so eine Art Zielkonflikt gibt? Ich sag jetzt mal zwischen deiner Sphäre des betrieblichen Gesundheitsmanagements und zum Beispiel der ja zwangsläufigen Profitorientierung eines Unternehmens, auch des unsrigen? Also man könnte ja sagen, eigentlich ist es ja gut, auch wenn Leute viel arbeiten. Klar haben sie dann mehr Stress, aber ja… Siehst du diesen Konflikt oder eher nicht?

00:08:46: Susanne Nein, den sehe ich eigentlich überhaupt nicht, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich glaube oder ich weiß es, dass BGM einfach Menschen leistungsfähiger und zufriedener macht und dass das sich auch wiederum für das Unternehmen bezahlt macht, also dass quasi ein Unternehmen davon wieder profitiert und es gibt ja zum Beispiel auch für BGM sowas wie Return of Investment, wo man quasi errechnet, dass wenn man einen Euro in die Gesundheit der Mitarbeitenden setzt, dass man dann drei Euro als Return wieder zurück bekommt. Wobei ich mich da bisschen schwer tue und immer denke, das ist so ne komische Zahl und...

00:09:21: Stephan …Milchmädchenrechnung…

00:09:22: Susanne Bisschen ja, und es gibt so was Neueres, das ist viel cooler, find ich. Das heißt Return of Prevention, und da geht es eben darum abzuschätzen, quasi wieviel steckt man in ne Präventionsmaßnahme rein und hat man hinterher weniger Fehlzeiten. Da geht's viel mehr darum, jetzt nicht den Euro auszurechnen, sondern eher zu bewerten, welche guten Effekte hat man dann aus einer Präventionsmaßnahme?

00:09:46: Stephan Ja.

00:09:51: Susanne Aber einfach die langfristige Erhaltung der Arbeitskraft ist so n Thema genau, oder zum Beispiel konnten wir auch sehen, dass wir uns bei Muskel-Skelett-Erkrankungen, dass die in den letzten Jahren bei uns zum Beispiel zurückgegangen sind, und wir hoffen natürlich, dass das aufgrund unserer ergonomischen Arbeitsmittel passiert ist. Aber man kann das, ich finde es auch manchmal schwierig, das so ganz fest auszurechnen, da muss man einfach n gutes Gefühl dafür haben.

00:10:13: Stephan Weniger Krankentage idealerweise also langfristig. Leute werden weniger krank, sind häufiger da demzufolge oder leisten mehr, weil sie einfach sich fitter fühlen, weniger Schmerzen haben und so weiter.

00:10:27: Susanne Ja, ja, ja.

00:10:31: Stephan Hast du durch die Corona Zeit, die ja in deine Phase wo das BGM gerade weiter aufgebaut wurde, in diese Phase hinein fiel, haben sich neue Herausforderungen für dich ergeben, auch als BGM?

00:10:46: Susanne Tatsächlich muss man sagen, dass Corona gar nicht so, es war nicht so ne große Herausforderung, weil wir ja schon vorher auch sehr digital aufgestellt waren. Ja, schon sehr gut vernetzt, auch durch unser grundsätzliches Verständnis, wie wir zusammen arbeiten. Und das Einzige, was wir ganz schnell gemacht haben, waren halt noch mal auch unsere Angebote dann auch eben in digitale Angebote umzusetzen. Ich glaube insgesamt hat sich halt durch Corona haben sich manche Dinge verändert, also das steht außer Frage. Wir sind seit Corona, sagen die Experten, dass man sensibler gegenüber Belastungen geworden ist. Also man nimmt Belastungen, auch wenn sie vielleicht genauso groß sind wie vorher, intensiver wahr, oder man ist sensibler dafür. Ich würde jetzt nicht sagen, dass wir gesünder oder kränker heute sind und das andere ist, dass zum Beispiel, das ging jetzt auch wieder die durch die Presse, dass es so viele Krankentage da sind, und da gibt es eben auch von den Experten eigentlich so den Hinweis, dass das auch daher kommen kann, dass es eben seit nach Corona diese digitale Arbeitsunfähigkeitsmeldung eben gab und dass dadurch einfach die Statistiken genauer geworden sind. Dadurch wird halt jeder Krankentag erfasst und das kann natürlich auch dazu führen, dass die Krankenstände ansteigen.

00:12:11: Stephan Kann es zu viel geben im Betrieblichen Gesundheitsmanagement oder sagst du: mehr ist mehr? Wie weit kannst du überhaupt die Gesundheit der Mitarbeitenden beeinflussen oder wie weit solltest du da gehen?

00:12:28: Susanne Naja, also zu viel gibt es auf jeden Fall. Finde na klar gibt es zu viel und weil meiner Meinung nach es immer wichtig ist, Gesundheitsmaßnahmen nicht nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen, sondern man sollte schon eben einen Plan, ein Management auch für das haben, und wir machen das zum Beispiel immer so, dass wir immer einen Fokus für ein Jahr wählen, um uns dieses Thema dann ganz besonders vorzunehmen. Weil viele Maßnahmen helfen nicht viel, sondern man muss wirklich bewusst gucken, dass wie ich vorhin auch schon gesagt hab, was sich die Mitarbeitenden wünschen und da den Fokus dann drauf legen und es muss natürlich auch zum Unternehmen passen.

00:13:05: Stephan Du kannst da nichts vorschreiben, du kannst da nur… Also jetzt zum Beispiel hast du gesagt, ist es halt relativ klar, wer nicht raucht, lebt statistisch gesehen länger. Jetzt gibt es natürlich Leute, die rauchen, also die wissen auch, dass das vielleicht ungesund ist. Aber sie rauchen halt trotzdem. Du kannst es ihnen aber auch nicht verbieten als Gesundheitsmanagerin.

00:13:24: Susanne Na klar. Also wir zum Beispiel als Unternehmen können mit dem BGM einfach nur so einen Rahmen geben, können sensibilisieren und wir können Angebote machen. Das aber wir probieren unsere Mitarbeiter ja zu motivieren, selber für ihre Gesundheit aktiv zu werden. Und das ist auch der einzige wichtige Faktor. Man kann einfach nur immer wieder Anreize bieten und Angebote machen und wer davon partizipieren will und das Gefühl hat, dass es einen Mehrwert hat für sein eigenes Leben, der ist immer herzlich eingeladen.

00:13:55: Stephan Gab es ein Angebot in dieser Zeit seit 2015, was dich irgendwie selber überrascht hat, dass das so gut funktioniert hat oder wo du ja vielleicht da was dazu gelernt hast in dieser Hinsicht?

00:14:09: Susanne Na, absolut. Wir haben jahrelang über eine Schritte-Challenge nachgedacht und haben es immer nicht gemacht und letztes Jahr haben wir ja die erste Schritte-Challenge gemacht und ich hab so gedacht: Ok, wenn sich da mal so n paar Mitarbeiter anmelden, dann wird das ganz gut so vielleicht fünf Teams. Und zum Schluss hatten wir 35 und tatsächlich zeigt das eben auch, dass es manchmal wichtig ist, nicht für einzelne Generationen was zu machen, sondern eher die Generationen zusammenzubringen, weil da plötzlich 35 Teams mit unterschiedlicher Altersstruktur sich angemeldet haben und mit Freude und einem ganz großen Engagement über vier Wochen lang Schritte gesammelt haben, und das hat mich tatsächlich überrascht, wieviel Resonanz das gefunden hat und eben auch was für ne Begeisterung da einfach entstanden ist und wieviel Spaß das gemacht hat.

00:15:00: Stephan Was würdest du jemanden sagen, der sagt, Mensch, dieses ganze moderne Zeug, Gesundheitsmanagement und so weiter, das brauch ich gar nicht, ich brauch ne ordentliche Bezahlung, ich brauch faire Arbeitszeiten, n sicheren Arbeitsplatz und das ganze Drumherum interessiert mich eigentlich nicht, dass es alles nur Overhead, also jetzt mal so n bisschen advokatus diaboli natürlich, ja was kann man solchen Leuten entgegenhalten, die es vielleicht ja auch gibt?

00:15:27: Susanne Das geht klar für mich. Also jeder hat eine Eigenverantwortung und es ist eben. Beim BGM konzentriert man sich sowieso eigentlich auf die, die was möchten, also die Lust haben, ihre Gesundheit zu fördern. Und aber tatsächlich haben wir gemerkt, wir haben halt ein breites Spektrum an Dingen, die wir anbieten, sag ich mal von Ernährungsangeboten bis hin zu Massage und das muss ja manchmal auch gar nicht der super Spitzensport sein und deshalb, glaube ich, können wir ganz, ganz viele abholen und tatsächlich sind auch die, die am Anfang kritisch waren, so nach und nach dann trotzdem dazu gekommen, weil die gesehen haben, okay der Kollege, der geht jetzt da jeden Mittwoch irgendwo hin und irgendwann sind sie auch neugierig geworden. Und wie gesagt, es muss ja nicht immer die hoch sportliche Leistung sein, sondern es kann ja auch mal ne ganz tolle Massage sein.

00:16:17: Stephan Wenn du eine Gesundheitsmaßnahme im Unternehmen umsetzen könntest und mal davon ausgegangen, es wäre Zeit und Budget vorhanden, dafür gibt es irgendwas, was dir da im Kopf rum schwirrt, was du gern mal machen würdest in Zukunft?

00:16:33: Susanne Na ja, tatsächlich. Was mich immer wieder beschäftigt, ist auch das Thema Ernährung. Und da wäre es total cool, mal so n Kochevent zu machen mit so einem Spitzenkoch oder mit überhaupt irgendeinem Koch, der mit uns allen gemeinsam so ein richtig cooles Menü kocht. Und das fänd ich super, wenn man das standortübergreifend umsetzen könnte.

00:16:54: Stephan Du hast ein Thema schon kurz angeschnitten und da würde ich dich gern n bisschen genauer dazu befragen: das Thema psychische Gefährdungsbeurteilung. Ein ziemliches Wortungetüm. Was verbirgt sich dahinter?

00:17:11: Susanne Naja, also einmal versteckt sich hinter der psychischen Gefährdungsbeurteilung, also zumindest bei uns, ein Fragebogen, wo es darum geht, eben Fragen über verschiedene Handlungsfelder zu beantworten, wie zum Beispiel sozialer Zusammenhalt, Arbeitsunterbrechungen oder zum Beispiel Handlungsspielraum. Und daraus leitet man dann im besten Fall hinterher Pläne, Maßnahmenpläne ab, zum Beispiel einen Teamworkshop zum Thema gute Kommunikation. Aber bis hin auch zu Führungskräfteschulungen zum Thema Feedback und Anerkennung. Also die Maßnahmen können ganz unterschiedlich sein, je nach den Belastungen und der andere Part ist, dass man Potenziale von einem Team erkennt, also dass man da die Stärken eines Teams und was gut läuft, rausfinden kann und dass es eigentlich für mich sogar der viel wichtigere Part, weil das ist das BGM-Thema, also da geht es darum, wie kann man dann diese Potenziale in den Teams stärken und wachsen lassen, weil die wiederum auch die Belastungen reduzieren können. Also die wirken sich sehr, sehr positiv, dann wieder auf Belastungen aus. Was noch super wichtig ist zu der psychischen Gefährdungsbeurteilung, da ist noch zu sagen, dass tatsächlich wir bei AFRY dieses Thema schon immer super ernst nehmen oder schon sehr lange sehr ernst nehmen, weil wir schon 2016 mit der psychischen Gefährdungsbeurteilung angefangen haben und jetzt im März die zum vierten Mal eben schon durchführen und das ist was, was ich einfach bei uns sehr bemerkenswert finde und was auch für die Mitarbeitenden einfach, glaube ich, ein gutes Standing ist, dass dieses Thema so ernst genommen wird bei uns.

00:18:55: Stephan Ja, jetzt gibt es ja dieses viel diskutierte Stichwort, Resilienz, also: Die Wirtschaft muss resilient sein, wir als Demokratie sollen resilient werden, aber man eben auch persönlich sozusagen gegen die Krisen, die uns umgeben. Vielleicht kannst du ein bisschen was dazu sagen oder ein bisschen reflektieren: Was kannst du von deiner Warte aus tun, um uns als Gesellschaft, uns als Mitarbeitende resilienter zu machen?

00:19:27: Susanne Also grundsätzlich ist es so, dass der Arbeitgeber keinen Einfluss auf die Resilienz des einzelnen Mitarbeiters natürlich hat. Und auch hier können wir als Unternehmen nur unterstützen. Wir hatten auch schon mal ein Jahr, wo wir eben Resilienz als Schwerpunktthema hatten, wo wir ganz viele aktive Einheiten dazu angeboten haben. Vertiefungsangebote, einen Vortrag darüber, wie kann man selber eben sich resilienter aufstellen und auf der anderen Seite kann natürlich immer wieder ein Unternehmen auch noch externe Hilfe anbieten. Wir zum Beispiel haben bei AFRY so ne Beratungshotline, ne sogenannte EAP-Hotline.

00:20:07: Stephan Was heißt das EAP?

00:20:08: Susanne Das heißt Employer Assistance Program und ist eine Beratungshotline, wo Mitarbeiter anonym anrufen können und ihre Sorgen und Ängste und ihre Themen besprechen können.

00:20:11: Stephan OK.

00:20:20: Susanne Und das ist für mich ein sehr gutes Angebot, wo quasi wir als Arbeitgeber ja vielleicht nicht weiterhelfen können. Aber da den Mitarbeitern ein Angebot machen, wo es Experten gibt, die ihnen dann wirklich konkret für ihre Themen weiterhelfen können und eigentlich quasi so Hilfe zur Selbsthilfe. Das ist eigentlich das, was BGM natürlich auch bedeutet, immer wieder eine Hilfestellung geben, damit man selber aktiv werden kann.

00:20:48: Stephan Glaubst du, dass gerade jüngere Menschen, die sich vielleicht bewerben, für eine Tätigkeit bei AFRY, dass die das auch erwarten, dass in Richtung Betriebliches Gesundheitsmanagement etwas passiert?

00:21:02: Susanne Doch auf jeden Fall. Also das konnten wir in der Vergangenheit in den Bewerbungsgesprächen sehen, dass wirklich die jüngeren Menschen das auch aktiv nachfragen, also die Fragen konkret, was bietet ihr bei dem Thema Gesundheit an? Oder auch in Gesprächen an den Standorten hat jemand zu mir gesagt: Ach ja, wegen unserem BGM? Ja, das BGM, deshalb bin ich doch zu AFRY gekommen und ich muss auch sagen, das war für mich eine, also ein, ich habe mich sehr gefreut darüber, ein Riesenlob. Weil das einfach das ist, was ich möchte. Dass eben die Mitarbeitenden auch merken, dass wir das authentisch leben und dass das eben n Mehrwert für sie auch wirklich darstellt. Und ansonsten kann man eben noch sagen, dass auch jüngere Mitarbeitende sowieso beim BGM für gewisse Themen natürlich affiner sind, also zum Beispiel auch was jetzt Benutzung von digitalen Angeboten angeht, wie zum Beispiel unsere Gesundheitsapp, da merkt man einfach, da sind die jüngeren Menschen einfach interessierter, sag ich mal.

00:22:03: Stephan Das ist ja eh dieser Trend zum Beispiel n Stück weit sich selbst vermessen, find ich, mit den ganzen Fitnessuhren und Armbändern und sowas also Wearables und was es da alles gibt, das ist glaub ich was, was ja vielleicht Jüngeren dann auch eher liegt und ihnen auch eher n Stück weit Spaß macht.

00:22:21: Susanne Ja, das stimmt, das stimmt. Und grundsätzlich hast du Recht, sind vielleicht die jüngeren Kollegen da affiner was sowas angeht, aber ich glaube grundsätzlich sind bei uns alle Mitarbeitenden dadurch, dass sie ja auch so einen technischen Hintergrund haben, immer interessiert an Zahlen, Fakten, Daten. Also das war schon immer so, dass Messungen auch immer ganz gut angenommen wurde Aber natürlich muss man auch sagen, da ist halt wichtig und das konnten wir auch letztes Jahr zum ersten Mal machen, auch solche Daten, Fakten dann immer in den Kontext zu setzen, weil es geht ja darum, ja, dann weiß ich irgendwelche Gesundheitswerte, aber was bedeutet das oder was mache ich dann damit? Und da ist es eben ganz wichtig, wieder über das BGM diesen Bogen zu spannen. Ich kann selber mit meiner Fitnessuhr zwar Daten erfassen, aber was bedeutet das dann und was kann ich damit? Und da brauchen viele wirklich noch Hilfestellung oder auch eben Angebote, über die sie das dann wieder in den Kontext setzen können.

00:23:16: Stephan Also wir haben ja diesen, wir haben diesen Slogan als AFRY: Making Future, den kann man auf ganz unterschiedliche Weise füllen. Vielleicht in deinem Arbeitsfeld, siehst du da bestimmte Zukunftstrends, etwas, was ja, was du vielleicht erwartest die kommenden Jahre?

00:23:34: Susanne Naja, also Zukunftstrends, das Thema eben psychische Belastung, das wird uns einfach weiter beschäftigen. Wir werden uns mit den Generationenmanagement beschäftigen müssen. Aber Making Future. Ja, was bedeutet das für mich? Ich bin eigentlich eher so ein Mensch, der wirklich im Hier und Jetzt lebt. Aber Making Future bedeutet für mich bei AFRY, dass wir AFRY und auch unsere Mitarbeitenden gut aufstellen. Zu dem Thema Gesundheit, um dann eben flexibel auf alle Herausforderungen, die uns in Zukunft erwarten, uns einstellen zu können. Und das geht eben auch über den Arbeitskontext hinaus. Ist einfach so: Gesundheit hört ja nicht an der Bürotür auf, sondern geht im Leben dann im privaten Leben weiter. Und das ist so das, was ich mir wünsche für unsere Mitarbeiter, dass sie einfach sich gut aufstellen für alles, was die Zukunft bringt.

00:24:28: Stephan Jetzt bist du Geografin, hast du vorhin gesagt. Vermisst du manchmal die inhaltliche Arbeit in deinem Fachgebiet?

00:24:38: Susanne Ich habe eine große Naturverbundenheit und die bleibt. Ich interessiere mich sehr für Geologie und Biologie und ich freue mich immer, wenn ich bei meinen Umweltkolleginnen und -kollegen in Mannheim mal vorbeigehen kann und wieder was über die Tierwelt oder was sie gerade machen, erfahren kann und finde das immer super spannend, aber tatsächlich ist Gesundheitsmanagement das Beste, was ich bis jetzt gemacht habe und bin damit mehr als zufrieden.

00:25:05: Stephan Wenn es das Arbeitsfeld nicht gäbe, man müsste es erfinden für dich.

00:25:10: Susanne Ja, definitiv. Wenn es das nicht gegeben hätte. Aber es ist einfach der Perfect Match für mich.

00:25:16: Stephan Und das war Folge 7 von NEXT. Selten habe ich eine Person getroffen, die ihr Berufsfeld so sehr lebt und liebt wie Susanne. Was mir aus unserem Gespräch besonders in Erinnerung geblieben ist: Gerade psychische Gesundheit im Berufsleben hat viel damit zu tun, dass wir unsere Tätigkeit als sinnvoll erachten. Für uns selbst und bezogen auf das große Ganze. Ich habe das bisher selten so betrachtet, aber wahrscheinlich können wir alle ein Lied davon singen: Wer mit intrinsischer Motivation an die Arbeit geht, der ist nicht nur produktiver, sondern auch seltener krank. Und damit genug für heute. Ich freue mich, dass ihr bis hierhin zugehört habt. Für Anregungen, Fragen, Wünsche, Kritik erreicht ihr uns wie immer unter next@afry.com. in ein paar Wochen gibt es hier eine neue Folge. Schön, wenn ihr auch dann wieder einschaltet. Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit, bleibt positiv und denkt an was Neues.

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